Sonntag, 18. Februar 2018
Tai Chi II
Wie läuft ungefähr ein Training in Tai Chi ab ?

1. Eintrittsmeditation (Ankommen)
Bei den asiatischen Bewegungskünsten wird die Eintrittsmeditation standardmässig im Sitzen durchgeführt. Entstanden ist dies aus dem Zen.

Die Zenmeditation kennt als Standards das Kinhin (Meditation in der Bewegung) und Zazen (Meditation im Sitzen), Rezitation (Arbeiten mit Texten), Samu (die konzentrierte Tätigkeit) und die Arbeit mit Koans (Sinnsprüche).

Anders als an manchen Orten angenommen hat sich der Zen - Buddhismus oder auch Chan - Buddhismus von China und Korea in die anderen Länder ausgebreitet. Es ist in diesem Sinne keine japanische Entwicklung.

Vielmals wird auch eine andere Tradition der Meditation gelehrt. Die Meditation im Stehen (Zhanzhuang). Woher das genau entstanden ist, konnte ich bisher auch nicht erschliessen. Ich gehe davon aus, das es mit der Entstehung der inneren Kampfkünste begonnen hat.

Die Meditation ist der Punkt, an dem das vorhergehende bewusst gemacht und dann losgelassen werden kann. Man bereitet sich für das Neue vor.


2. Körperübungen (Aufwärmen)
Aufgewärmt werden kann mit freien Übungen, die den Körper lockern und die Meridiane durchgängig machen. Einer meiner früheren Trainer hat immer seine eigene Gymnastik durchgezogen. Woher er diese genau hatte, wusste er wohl selber nicht so ganz. Meistens ging sie fast 45 Minuten und wir haben uns oft gefragt, was denn nun wichtiger sei. Gymnastik oder Tai Chi ?

Wenn ich mit anderen zusammen trainiere oder Trainings leite, dann wähle ich eine Gymnastik Variante, die ich selber von einem anerkannten Tai Chi Lehrer mitgenommen habe. Die geht ca. 10 min und wärmt den Körper sanft, aber durchgängig auf.

Viele machen auch die sogennanten Schwingübungen. Die haben aus meiner Sicht sicher ihre Daseinsberechtigung, sollten aber mit anderen Übungen ergänzt werden.


3. Training (Formgebung)
Üben der ersten Formenteile und Aufbau einer einfachen Grundform - bei fortgeschrittenen Schülern entsprechend weitere Formen oder Waffenformen.

Hier gibts die unterschiedlichen Stile und Varianten. Selber bin ich mit der 24er Yang Form, oder auch Peking Form in diese Welt eingestiegen. Peking Form, weil es eine standardisierte Form ist und auch an Wettkämpfen vorgetragen wird. Da gibt es zum Beipiel auch die 48er Wettkampfform.


4. Push Hands (Sofern Partner vorhanden, oder in Gruppen trainiert wird)
Diese Übungen sind auch Standard in Tai Chi. Leider nicht, oder nur etwas aufwändig alleine übbar.
Da haben sich auch die unterschiedlichsten Standards eingeschlichen.

Varianten dieser Übungsform: Push Hand mit den standardmässigen Schritt oder auch ohne Schritt Bewegungen - Push Hands mit Formentteilen z.B. wecke das Chi oder anderen. Die Idee dahinter ist praktisch immer die Gleiche. Stärken der koordinativen Fähigkeiten und dem Gleichgewicht. Einstellen auf den Partner. Erkenne die Unterschiede ohne dabei den Fokus zu ändern.


5. Wenn nicht vorher, dann jetzt - Kampfübungen
Hier ist der praktische Ansatz gefragt. Wie bringe ich eine geübte Bewegung in die Realität, oder auf die Strasse ?

Bin da vielleicht nicht immer der richtige Ansprechpartner, aber versuche diesen Link zu machen.


6. Optional Qi Gong oder Ausgangsmeditation
Je nach Lehrer wird da auch wieder unterschieden. Die einen Lehrer lassen Qi Gong Formen grundsätzlich aus dem eigentlichen Tai Chi und behandeln Tai Chi als eigenes Übungssystem.

Die andere Fraktion der Lehrer besteht darauf, Qi Gong in den Übungsplan einzubauen. Weil Qi Gong z. B. die Meridiane wieder harmonisiert.

Grundsätzlich sind beide Ansätze interessant. Aber natürlich auch andere Ansätze. Bei einem Lehrer haben wir zum Beispiel am Schluss immer gegenseitig die Körper mit offenen Händen abgeklopft.


Abschluss: Zum Ablauf des Tai Chi Teils:
Voraussichtlich werde ich das Schema wie oben dargestellt beibehalten und jeweils auch geschichtliche Teile einbinden. Entsprechend werde ich auch mehr auf die jeweiligen Teile eingehen. Anfangen werde ich mit dem Aufbau der 24er Yang Form.

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